Fünfsprachig begrüßt der charismatische Moderator Alfonso Pantisano jeden Nachmittag seine Gäste. Er ist mittlerweile eines der Highlights der Kölner Gay Games. Viele kommen nur wegen ihm tagtäglich ins Village am Neumarkt.
Alfonso, wie geht es Dir heute?
„Sehr gut, vielen Dank. Ich freue mich, gleich wieder auf der Bühne stehen zu dürfen und den heutigen Städtepartnerschaftstag der Stadt Tel Aviv Tag zu moderieren. Es wird der Wahnsinn werden, die heutigen Künstler sind in Tel Aviv bereits alle Superstars.“
Bist du immer noch nervös vor jedem Auftritt?
„Ganz ehrlich, ich bin jeden Tag wahnsinnig nervös. Das Publikum ist immer anders und das Showprogramm ebenfalls. Die Nervosität hilft mir aber, mich zu konzentrieren und auf der Bühne jeden Tag alles zu geben.“
Komplett ehrenamtlich führt der charmante Weltenbürger (er ist gebürtiger Deutscher, lebte 12 Jahre in Italien und hat mittlerweile Wohnungen in Berlin und London) jeden Tag durch das Programm am Neumarkt. Und mittlerweile ist er eine Gay Games- Berühmtheit geworden. Durch sein Engagement, sein positives Auftreten und seine professionellen Moderationen begeistert er sein Publikum.
„Ich werde hier tagtäglich auf der Straße angesprochen, ob ich gerade auf dem Weg zum Neumarkt bin oder nur kurz einkaufen gehe – das ist wahnsinnig schön. Ich habe selten so viele positive Reaktionen von Schwulen und Lesben bekommen wie hier in Köln.“
Wie gefallen Dir die VIII. Gay Games Cologne 2010 bis jetzt?
„Ich bin schwer beeindruckt. Wir zeigen den Menschen hier, dass jeder auf seine Weise toll ist – ganz egal welche sexuelle Orientierung er oder sie hat. Und endlich merkt die Bevölkerung, dass auch Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transsexuelle sehr gute Sportler sind – wir stellen hier momentan Weltrekorde auf. Und das macht mich stolz! Als ehemaliger Kölner bin ich natürlich auch begeistert, dass die Gay Games in Kön stattfinden.“
Hast du neben Deinem Job überhaupt Zeit, Dir die Sportveranstaltungen anzusehen?
„Viel Zeit bleibt natürlich nicht. Ich versuche trotzdem, so viele Veranstaltungen wie möglich zu besuchen. Bisher war ich beim Fußball, bei der Leichtathletik, beim Schwimmen und beim Tanzen. Bei jeder Veranstaltung bin ich wieder beeindruckt, wie schön die Atmosphäre ist. Es geht in erster Linie natürlich um den Sport, aber auch um das Miteinander. Neue Freundschaften knüpfen, mit Menschen aus der ganzen Welt sprechen, einfach eine gute Zeit haben – das macht die Spiele neben den sportlichen Aktivitäten aus.“
Wie sieht Dein typischer Tag während den Kölner Gay Games aus?
„Ich stehe früh auf und checke erstmal, ob meine Stimme noch vorhanden ist oder ob ich sie am Vortag auf der Bühne vergessen habe.“ Ein strahlendes Lächeln untermalt die letzte Aussage. „Danach fahre ich in die Stadt und bereite meine Moderationen vor. Anschließend drehe ich eine Runde im Village und unterhalte mich mit den Gastronomen und Standbesitzern. Mittlerweile kennen wir uns alle gut und es ist schön, sie jeden Tag zu sehen. Anschließend geht es von fünf Uhr nachmittags bis Mitternacht auf die Bühne. Gerne laufe ich danach noch etwas durch die Stadt und genieße die Menschen und die tolle Stimmung.“
Du stehst offen zu deiner Sexualität. Hattest Du jemals Probleme damit im Berufsleben?
„Ich werde den Tag nie vergessen an dem ich mich geoutet habe. Es war der 3. August 1993. Nachdem ich mein Coming-Out bei meinen Eltern hatte, haben sie mich vor die Tür gesetzt. An diesem Tag habe ich mir geschworen, nie wieder zu lügen. Ich bin so wie ich bin und ich stehe offen dazu. Wenn mich jemand für einen Job nicht haben möchte, bloß weil ich schwul bin, dann ist das sein Problem. Aber bisher hatte ich noch keine Probleme. Ich habe bereits viele internationale Events moderiert und alle meine Arbeitgeber waren höchst zufrieden.“
Du bist momentan in aller Munde, die ganze Community ist begeistert von Dir. Wir müssen Dich also fragen: Bist du eigentlich Single?
Wir bekommen ein weiteres strahlendes Lächeln geschenkt. „Nein, ich bin sehr glücklich vergeben. Ich habe den allerschönsten und allerbesten Mann der Welt, mit dem ich seit zweieinhalb Jahren zusammen bin. Kennen gelernt haben wir uns in Berlin an der Ampel. Ich stand neben ihm und konnte nicht anders, als ihn anzustarren. Wenige Minuten später kam er mir hinterher gelaufen und steckte mir seine Telefonnummer zu. Und nach einer langen Kennenlernphase von 6 Monaten waren wir dann zusammen.“
Wie schade, so nimmst Du uns nun natürlich alle Hoffnungen.
Was denkst Du ist Dein Erfolgsrezept? Warum sind die Leute so wahnsinnig begeistert von Dir?
„Ich denke, meine fünf Sprachen sind ein großer Vorteil. Die Menschen reagieren sehr gut darauf, wenn ich mit Ihnen in ihrer Muttersprache kommuniziere. Ansonsten denke ich, dass meine Natürlichkeit ein großer Pluspunkt ist. Ja, ich bin schwul aber ich verhalte mich überspitzt gesagt wie ein ganz normaler Mann. Die Menschen wollen nicht immer nur das Bild eines hysterischen Schwulen oder einer Drag-Queen sehen, die über die Bühne springen und das Klischee erfüllen.“
Was ist Dein bisheriges Highlight der Gay Games?
„ Die beiden Abende mit den Cheerleadern. Ich habe in meiner Karriere bereits wirklich viel gesehen, aber bei diesen Auftritten hatte ich Gänsehaut. Die Cheerleader verbinden Hochleistungssport mit der Perfektion eines Schweizer Uhrwerkes. Einfach unglaublich! Ich finde es sehr gut, dass diese tolle Sportart nun das erste Mal offiziell an den Wettkämpfen teilnehmen kann. Und die Cheerleader sammeln mit ihren Auftritten hier ehrenamtlich Geld für Bedürftige. Diesen Punkt finde ich persönlich besonders wichtig, da ich mich selbst stark ehrenamtlich engagiere.“
Wir danken Dir für dieses tolle und offene Interview und wünschen noch eine schöne Zeit in Köln und viel Erfolg für die Zukunft!
Jedem, der Alfonso noch nicht in Aktion gesehen hat empfehlen wir, dies schleunigst nachzuholen.
Weiter Informationen über Alfonso gibt es unter: www.alfonso.tv [3]
Links:
[1] http://www.games-cologne.de/files/Sport/Turnierbilder/_8050035.JPG
[2] http://www.games-cologne.de/files/Sport/Turnierbilder/_8050110.JPG
[3] http://www.alfonso.tv
[4] http://www.games-cologne.de/files/Sport/Turnierbilder/_8050027.JPG