Eigentlich fahre ich nicht so gerne Straßenbahn. Gedrücke, Geschiebe, mürrische Gesichter, bisweilen viel zu lautes, lästiges Geplapper an angeschalteten Handys und man wird Ohrenzeuge von Dingen, die diese Leute in einem normalen Gespräch niemals erzählen würden. Eigentlich ist das mein Straßenbahn-Blues.
„Eigentlich“ ist nicht mehr. In Köln finden die VIII. Gay Games Cologne 2010 statt! Das fängt schon an der Haltestelle an. Da stehen sie, Leute unterschiedlichsten Alters, unübersehbar und erkennbar an den offiziellen Kölner Gay Games-Passports. Fast alle haben gute Laune, reden in den unterschiedlichsten Sprachen aufeinander ein. Manchmal ist das ein lustiges Kauderwelsch, wenn man nicht die gleiche Sprache spricht. Man versucht sich zu verständigen, notfalls mit den Händen, und man hat Spaß daran. Und dann die strahlenden Gesichter! Es ist so schön, dem zuzuschauen, sich gelegentlich sogar einzumischen, vor allem dann, wenn man unterstützend zwischen den Sprachen hin- und herübersetzen kann. Und in der Bahn selber dann noch das „Hallo“, wenn andere Kölner Gay Games-TeilnehmerInnen schon drin sitzen und sich erkundigen nach dem „Woher?“ und „Wohin?“ und an welcher Sportart man teilgenommen oder ob man zugeschaut habe und ob man da nicht vielleicht mit einem Goldmedaillen-Gewinner aus Ich-weiss-nicht-woher rede.
Heute fuhr ich mit der Linie 1 vom RheinEnergie-Stadion in die Innenstadt. An der Haltestelle standen drei junge Leute; wir vier kommen ins Gespräch. Da ist die deutsche Goldmedaillen-Gewinnerin im Tischtennis, der australische 5000m-Läufer, der Bronze ergattert hat, und aus Washington D.C. der US-Boy, der am Sonntag im Triathlon Gold gewann. Sie alle drei sind nicht nur überglücklich über ihre sportliche Leistungen, sondern fangen an zu erzählen, wie toll es sei, hier zu sein, und was sie bislang erlebt hätten. War das eine großartige Eröffnungszeremonie am Samstag! Ist es nicht toll, dass hier alles so nahe beieinander ist. Und überhaupt, es ist so herrlich, dass man mit Leuten aus allen möglichen Ländern zusammen kommt, denen man sonst nie begegnet wäre. Und überhaupt: eigentlich sollten die VIII. Gay Games Cologne 2010 vier Wochen lang dauern! Die Kölner Gay Games finden statt und wir sind dabei! Das nenne ich wahre Völkerverständigung! Nach 30 Minuten Warte- und Fahrtzeit steige ich am Neumarkt aus der Linie 1 und bedauere, dass wir nicht bis zur Endstation nach Bensberg gefahren sind…
... das war die schönste Straßenbahnfahrt meines Lebens, und eigentlich fahre ich ganz gerne mit der Tram. Zurzeit ist das mein Straßenbahn-Swing!
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