Den Dom als Ausgangspunkt für Erkundungstouren zu nehmen, ist auch dann empfehlenswert, wenn man die augenfälligen schwul-lesbischen Aspekte Kölns entdecken möchte.
Auf der Rückseite des Doms, vorbei am Museum Ludwig und über die Treppen hinab in den Rheingarten, führt der Weg zum Mahnmal für die lesbischen und schwulen Opfer des Nationalsozialismus.
Im Schatten der eindrucksvollen Hohenzollernbrücke steht das steinerne, an der Form eines Rosa Winkels (Symbol der Nazis für schwule Männer) orientierte, Denkmal.
Mehrmals im Jahr erinnern Vertreter der Lesben- und Schwulenszene sowie der Stadt Köln an diesem Ort an die Verfolgten und Getöteten.
Folgt man der Uferpromenade circa 250 Meter rheinaufwärts in Richtung der Deutzer Brücke, findet sich am Durchgang zur Markmannsgasse das „kalte Eck“, eine Installation des Künstlers Tom Fecht zur Erinnerung an Menschen, die an den Folgen von AIDS gestorben sind.
Zweimal im Jahr, zum ColognePride im Sommer und zum Welt-AIDS-Tag am 01. Dezember, werden im Rahmen einer Gedenkfeier neue Steine mit Namen von Verstorbenen in das Feld aus Pflastersteinen eingelassen. Geht man über die Markmannsgasse geradeaus weiter, kommt man auf den Heumarkt, der als größter Platz in der Kölner Altstadt im Sommer auch Standort für die CSD-Hauptbühne ist. Direkt am Heumarkt liegt mit dem „Verquer“ eine der ältesten schwullesbischen Gaststätten Kölns, die zur warmen Jahreszeit eine große Außengastronomie bietet.
Viele weitere Kneipen und Clubs, die das Image der Altstadt als Zentrum der Kölner Leder- und Fetischszene prägen, sind von hier aus nur wenige Fußschritte entfernt. Wir passieren den Heumarkt jedoch nur und gelangen über die Gürzenichstraße in die Schildergasse, Deutschlands bestbesuchte Einkaufsmeile. Am Ende der Schildergasse schließt sich der Neumarkt an, der als zentraler Verkehrknotenpunkt und mit seinen überdachten Flanierpassagen Olivandenhof sowie Neumarktpassage, einer der quirligsten Bereiche der Stadt ist. Wenn man es etwas ruhiger mag oder ausgefallene Geschäfte sucht, geht man vom Neumarkt aus an der St. Aposteln Kirche vorbei in das Boutiquenviertel um die Mittelstraße, Pfeilstraße und Ehrenstraße. Hier prägen Schwule und Lesben stärker als anderswo in der Stadt das Straßenbild. In Richtung Rudolfplatz erreichen wir das neben der Altstadt zweite schwullesbische Zentrum Kölns.
Kneipen, Cafés, Restaurants, Clubs, Saunen und Geschäfte konzentrieren sich in einem nur wenige Gehminuten umfassenden Radius. Überqueren wir die oberirdische Straßenbahntrasse und die Hauptstraße, die neben dem Platz verlaufen, gelangen wir über einen Durchgang unter dem Gebäude der Sparkasse in die Schaafenstraße, die als Kern der schwulen Kölner Kneipenszene gelten kann.
Da tagsüber kaum eine der Bars geöffnet hat, nutzen wir die Gelegenheit, über die Lindenstraße, die als Verlängerung der Schaafenstraße jenseits des Kölner Innenstadtrings beginnt, zum Jean-Claude-Letist-Platz zu laufen. Dieser kleine Platz mit schönem Baumbestand wurde nach einem usprünglich aus Belgien stammenden Kölner Aktivisten benannt, der sich zu Lebzeiten sehr stark für die Schwulenbewegung und die AIDS-Hilfe engagiert hat. Möchte man die Stadt noch weiter erkunden, empfiehlt sich zunächst eine Passage über die Händelstraße und die Aachener Straße zurück zum Rudolfplatz.
