© Georg Uecker
Georg Uecker:
Eine der ersten großen Rollen des Schauspielers war die des Dr. Carsten Flöter in der „Lindenstraße“. Im Rahmen der Serie war er beteiligt am ersten Kuss zwischen zwei Männern im deutschen Fernsehen. Uecker moderierte bereits zahlreiche Fernsehshows sowie Galas und entwirft Fernsehkonzepte. Bis 2005 produzierte er die Late Night Show „Blond am Freitag“ im ZDF.
games cologne: Warum engagierst du dich als Schirmherr/Botschafter des OUTREACH-Programms bei den VIII. Gay Games Cologne 2010?
Georg Uecker: Ich finde es wichtig, dass Lesben und Schwulen, die in ihren Heimatländern homophoben Ressentiments und Repressalien ausgesetzt sind, die Teilnahme an den Kölner Gay Games ermöglicht wird. Nehmen wir das Motto der Spiele ernst : let them BE PART OF IT! Schließlich handelt es sich um Weltspiele. Und so sieht es aus in dieser Welt : in über 70 Ländern ist Homosexualität strafbar. In sieben Ländern steht darauf die Todesstrafe. Indem wir finanzielle und logistische Unterstützung anbieten, setzen wir ein Zeichen der Solidarität. Dafür möchte ich mich im Rahmen meiner Möglichkeiten mit voller Kraft einsetzen.
YES, WE CAN!
gc: Wie bist du auf die VIII. Gay Games Cologne aufmerksam geworden?
GU: Ich wusste zwar von der Kölner Bewerbung, aber nicht, wann genau die Entscheidung fallen würde. Nachdem ich an einem nassen Novembertag 2005 eine Veranstaltung moderiert hatte, trieb mich mein post-moderativ erhöhter Adrenalinspiegel und Kölschdurst in eine bekannte schwule Eckkneipe. Dort erfuhr ich von einem Bekannten, dass Köln soeben den Zuschlag für die Gay Games 2010 bekommen hatte.
gc: War es für dich klar, die VIII. Gay Games zu unterstützen, als du davon gehört hast?
GU: Als ich gefragt wurde, ob ich als OUTREACH-Botschafter zur Verfügung stehe, habe ich sofort aus vollster Überzeugung zugesagt. Vor zehn Jahren war ich im Rahmen der schwul-lesbischen Fußball-WM in Köln OUTREACH-Pate der Spielerinnen aus Zimbabwe. Es war eine Woche voller spannender Begegnungen, intensiver Gespräche und rechtschaffen bewegender Momente.
Dass ich die Patenschaft gemeinsam mit Ulrike Folkerts übernehme, freut mich sehr. Nicht nur, weil sie eine geschätzte Kollegin ist, sondern auch, weil sie selber aktiv an den Gay Games teilgenommen und dort sogar Medaillen gewonnen hat.
gc: Was begeistert dich an den VIII. Gay Games bzw. an den Gay Games allgemein?
GU: Ich kenne und verfolge die Gay Games, ihre Ursprünge, Ideale und Entwicklung mehr oder weniger von Anfang an. 1982 las ich in einer amerikanischen Zeitschrift einen Artikel über den vom IOC und seinem US-Ableger gewonnenen Prozess, infolgedessen es den Initiatoren dieser besonderen Spiele untersagt wurde, die ursprünglich gewählte Bezeichnung „Gay Olympics“ zu verwenden. Dass damals Veranstaltungen wie die „Police Olympics“ und „Rat Olympics“ (!) nicht beanstandet worden waren, stieß nicht nur mir unangenehm auf. Ratten ja, Schwule nein!
Der Grundgedanke der Gay Games ist mir sehr sympathisch : „Participation, Inclusion, Personal Best“ trifft es auf den Punkt. Trotz des sportlichen Wettkampfes steht nicht das Gegeneinander, sondern das Miteinander im Vordergrund. Es geht nicht darum, unbedingt der beste zu sein, sondern zu versuchen, aus sich selber das beste herauszuholen. Diese Maxime beschränkt sich nicht allein auf den sportlichen Bereich. Die LGBT-Community muss ihre eigene Geschichte schreiben und die Gay Games sind dafür ein Beispiel. Dass dies nicht nur eine ideelle und utopische Theorie ist, sondern auch in der realen Umsetzung funktioniert, habe ich als Gast der Gay Games 1990 in Vancouver und 1998 in Amsterdam erleben dürfen.
gc: Treibst du selbst regelmäßig Sport und/oder hast du andere interessante Hobbys?
GU: Meine sportlichen Aktivitäten sind eher spontaner, situativer und lustbetonter als regelmäßiger Natur. Wenn ich im Winter in Norwegen bin, wo ich aufwuchs, betreibe ich häufiger Ski-Langlauf. Nordic Walking, die Luftgitarre des Wintersports, bietet da keine ansprechende Alternative. Wenn ich also in rheinischen Gefilden auf die Piste gehe, läuft es schon mal auf „Southern Comfort statt Nordic Walking“ hinaus!
Ich war viele Jahre in einem Handballverein, aber Mannschaftssport ist ob meines eher unsteten Freiberuflerlebens nicht wirklich praktikabel. Meinen größter Triumph als Fußballer feierte ich vor fünf Jahren als zweifacher Torschütze bei einem Benefiz-Turnier in Bremen. Die gegnerische Abwehr bestand aus Hera Lind und Gregor Gysi…
gc: Nimmst du an einer der Sport- oder Kulturveranstaltungen im Rahmen der VIII. Gay Games teil?
GU: Ich werde ein wackerer und engagierter Zuschauer bei diversen Sportwettkämpfen sein. Ansonsten halte ich mich diesbezüglich zurück…
Obwohl ja auch Eiskunstlaufen im Programm ist… da könnte ich bestenfalls folgendes anbieten : weil ich als Telefonjoker Katharina Witt in einer Quizshow helfen konnte, hat sie mir eine Trainingsstunde versprochen. Sollte sie bereit sein, in ihrem Original-Kostüm aus dem „Carmen on ice“-Film bei den Gay Games aufzutreten, gebe ich dazu den feurigen Kufen-Kasper zwischen Villariba und Villabajo. Das stünde unter dem Motto „Die Kuh muss vom Eis“ und würde der legendären Hoppel-Heide zur Ehre gereichen…
Bei den kulturellen Veranstaltungen bringe ich mich gerne dort ein, wo meine Dienste und Fähigkeiten gefragt sind.
gc: Was erwartest oder wünschst du dir von den VIII. Gay Games?
GU: Wenn man uns schon das alberne Adjektiv „Verzaubert“ zugeordnet hat, dann sollten wir auch unser eigenes Sommermärchen erzählen. Ich hoffe auf eine in jeder Hinsicht intensive Woche, die größer ist als die Summe der einzelnen Erlebnisse. Dass die Gay Games ein Zeichen für friedvolle Entgrenzung, gelebte Solidarität und Toleranz setzen. Ein Ausrufezeichen! OUTREACH wird in meinem Wörterbuch mit „Freundlicher Kontakt“ übersetzt. Also:
Auf freundliche Kontakte! Let the games begin and be as gay as life!