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Die Steilwand kennt keine Freunde. Und sie verzeiht keine Fehler.
Die Steilwand kennt keine Freunde. Und sie verzeiht keine Fehler. Nur die Härtesten erreichen den Gipfel, die Schwachen baumeln hilflos in den Seilen. Klettern gilt als Sport für Einzelkämpfer, das weiß man spätestens, seitdem sich Tom Cruise im Vorspann des zweiten Teils von „Mission Impossible“ mit atemberaubendem Risiko durch den Fels gehangelt hat. Und natürlich weckt es Neid, wenn der Schweiß glitzernd über die muskulösen Oberarme der Gipfelstürmer rinnt.
Auch in der Steilwand gibt es Freunde. Das gängige Klischee wird spätestens im Sommer widerlegt, wenn bei den Kölner Gay Games die Kletter-Wettbewerbe starten. „Die Wettkämpfe sollen nicht verbissen geführt werden. Das wird eher ein gemeinsames Klettern“, verspricht Nicole Pirpamer. Es gehe um Spaß und nicht so sehr um harten Wettstreit. Klettern war zuletzt 1998 bei den Gay Games in Amsterdam im Programm. Damals gewann Nicole Pirpamer (39) aus Neuss die Goldmedaille. Jetzt unterstützt sie die Organisatoren als Expertin.
Der Ansturm auf die begrenzten Teilnehmerplätze dürfte gerade im Klettern groß sein. Nicht nur, weil die Sportart lange nicht mehr zum Programm der Gay Games gehörte. „Ich erwarte ein sehr internationales Teilnehmerfeld. Es werden auch Sportler dabei sein, die noch nicht lange klettern“, sagt Pirpamer. Sie hält die Kölner Gay Games für einen perfekten Einstieg ins Wettkampfgeschehen. Das war schon in Amsterdam 1998 so. Als Pirpamer sich zu Gold hangelte, hatten sich einige Sportler angemeldet, die noch nie eine Kletterhalle von innen gesehen hatten. Und diese Sportler hatten Spaß. Geklettert wird in der „Kletterfabrik“ in Köln-Ehrenfeld. Die Halle ist zentral gelegen und gut mit Bus und Bahn zu erreichen.
Das Sportklettern hat in den vergangenen zehn Jahren einen enormen Wandel vollzogen. Es ist nicht mehr nur der Sport von waghalsigen Exoten. „Früher galten wir Kletterer als bunte Vögel. Heute wird selbst bei Betriebsausflügen oder Kindergeburtstagen geklettert“, weiß Pirpamer. In jeder Großstadt gibt es inzwischen Kletterhallen. Jeder kann heute ohne großen Zeitaufwand künstliche Felsen erklimmen. Bei den Kölner Gay Games soll das waghalsige Freizeitvergnügen zum großen Gemeinschaftserlebnis werden. „Wir haben die Regeln leicht verändert. Niemand wird isoliert, damit er die beste Route nicht sieht, während andere gerade klettern“, kündigt die Expertin an.
Wenn Nicole Pirpamer an ihre ersten Ausflüge zum Klettern denkt, wird sie ein wenig nostalgisch. In ihrem Familienalbum gibt es ein Foto, auf dem ihr Vater und ihre Tante in den Dolomiten in Südtirol stehen. Im Hintergrund ragen die massiven Felsen des berühmten Rosengartens in den Himmel. „Ich habe mir das Bild oft angesehen. Damals ist bei mir der Wunsch entstanden, zu klettern. Ich wollte etwas Besonderes machen“, erinnert sie sich. Mit 13 Jahren folgte der erste Kletterkursus, später folgten Wochenendausflüge zu den Kletterwänden in der Region. Heute betreibt sie eine Kletterschule für Frauen und arbeitet als Kletterlehrerin.
Bis Ende Mai können sich Sportlerinnen und Sportler noch für die Wettbewerbe anmelden. Bei einigen Sportarten ist die Teilnehmerzahl begrenzt. Es ist also empfehlenswert, sich frühzeitig seinen Startplatz bei den VIII. Gay Games Cologne 2010 zu sichern.
„Be part of it!“
Created on 25. March 2010 - 7:30