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In knappen Outfits und mit glänzenden Muskeln...
Auch wenn sich das Wetter an den ersten Wettkampftagen nicht von seiner besten Seite gezeigt hat, gestern Abend wurde es mit einem Schlag dann doch noch verdammt heiß. Zumindest für einen Teil der Besucher der Kölner Gay Games, die sich um Punkt 18 Uhr im Hörsaal der DSHS Köln versammelt hatten. Schuld an dem Temperaturanstieg waren nicht etwa die vielen Leute, die den Hörsaal bis auf den letzten Platz gefüllt hatten, sondern eher die SportlerInnen auf der Bühne. In knappen Outfits und mit glänzenden Muskeln absolvierten am Montagabend die BodybuilderInnen ihr Programm und das Publikum war mehr als begeistert! Diese Show ließen sich auch die drei Gay Games BotschafterInnen Leigh-Ann Neidoo, David Kopay und Chris Morgan nicht nehmen und kamen, um die Sportler auf der Bühne anzufeuern.
© Ralf KardesDen Start machten die Männer über 70, die ihre Performance mit sehr viel Witz und Charme präsentierten und damit schnell die Herzen der Zuschauer eroberten. Insgesamt gab es bei den Männern fünf verschiedene Altersklassen, bei den Damen ging Valerie Worre als einzige Frau an den Start. Als Henne im Korb schien sie sich sichtlich wohl zu fühlen und zeigte, dass auch ein sehr muskelbepackter Körper noch gut die Hüften kreisen lassen kann. Auch sonst bekam man neben den erwarteten Muskelbergen noch die ein oder andere eher ungewöhnliche Performance zu Gesicht. Von gelenkigen Athleten im Spagat bis zum Moonwalk oder Robotermoves war der Kreativität der AthletInnen keine Grenze gesetzt.
© MamarazzaZu den TeilnehmerInnen, die nicht nur Leistung, sondern vor allem auch eine Menge Spaß auf der Bühne zeigten gehörte auch der Goldmedaillengewinner der Altersklasse „über 60“ Rene Silvin aus den USA. Zu dem Klassiker „I feel pretty“ aus dem Musical West Side Story ließ er seine Muskeln spielen und seine Hose fallen – selbstverständlich trug er eine zweite darunter. Die Zuschauer tobten und der Athlet wurde mit der Goldmedaille belohnt. „Damit habe ich nicht gerechnet,“ so der 62 Jährige Bodybuilder Rene Silvin. „Das ist meine erste Goldmedaille im Bodybuilding und mein erstes Mal bei den Gay Games.“
Dabei sah es in der Vergangenheit nicht immer gut für den Athleten aus. Vor ca. 30 Jahren wurde bei ihm AIDS diagnostiziert, vor 15 Jahren bekam er Krebs. „Nach dem Krebs saß ich erst mal im Rollstuhl und musste das Laufen neu lernen. Ich bin also ins Gym gegangen und da habe ich mir gedacht, wenn ich schon mal hier bin, dann kann ich auch gleich weiter trainieren.“
Heute nach 15 Jahren wird er als Champion der VIII. Gay Games Cologne 2010 gefeiert und freut sich, dabei zu sein. Es ist allerdings nicht sein erster sportlicher Erfolg. 1967 wurde er bereits Schweizer Meister im Rudern. Doch auf diesem Erfolg ruhte sich der Athlet nicht aus sondern machte sich über 40 Jahre später auf die Suche nach weiteren Erfolgen und sportlichen Wettbewerben und fand die Gay Games: „ Ich hatte vorher nichts über die Gay Games gehört,“ so der Goldmedaillengewinner. „Ich habe nach Bodybuildingwettbewerben für Männer über 60 gesucht. Da gibt es ja leider nicht so viel. Dabei bin ich auf die Gay Games gestoßen.“

Wie es sportlich für Rene Silvin weitergeht wird sich noch zeigen. Sein Ziel für die nächsten Jahre weiß er aber schon ganz genau: „ Ich war vor 30 Jahren einer der ersten bei dem AIDS diagnostiziert wurde. Heute möchte ich mit AIDS erkrankten Menschen sprechen und ihnen Mut machen.“ Das hat er mit seinem Sieg bei den Kölner Gay Games auf jeden Fall schon geschafft.
Mehr Fotos unter: http://www.qubesport.net/photos
Created on 4. August 2010 - 10:56