Der Kölner Dom: Ein architektonisches Wunder aus Geist und Stein
Der Kölner Dom ist ein Ort der Superlative. Ein Glasfenster des Künstlers Gerhard Richter ist der neueste in diesem jahrhundertealten Monument der Christenheit. Ein Monument, das in seiner Gründungszeit die deutschen vereinigen sollte. Ein Spaziergang mit der Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner, die erste Frau an der Spitze der meistbesuchten Attraktion Deutschlands.Ein phantastisches Spiel aus Licht und Farbe findet jedes Mal mitten im Dom statt, immer wenn die Sonnenstrahlen durch das Glasfenster des deutschen Bildhauers Gerhard Richter in den inneren Raum eindringen. Das „Richter Fenster“ ist einer der Schätze, die sich in diesem gigantischen Gemäuer aus Stein, Eisen und Legenden verbergen.
Der Reinste und Größte unter den GotischenDas 19 Meter hohe Glasfenster von Richter, das aus 11.263 bunten Stücken besteht, wurde gänzlich am Computer konzipiert und „komponiert“. Dieses einzigartige moderne Werk des Dresdner Bildhauers ist eine würdige Ergänzung der langwierigen Rekonstruktion dieses hohen Hauses nach den Bombenschäden des Zweiten Weltkrieges.
Der Dom, eigentlich die Kathedrale Sankt Peters zu Köln, ist - nach dem Dom in Ulm - der zweithöchste der Welt. Sein Nordturm (gleichzeitig der Glockenturm) ist 157,31 Meter hoch. „Der Kölner Dom ist in seinem gotischen Stil jedoch der Reinste“, sagt die Architektin Barbara Schock-Werner.
Dank auch an Lutheraner, Juden und Gottlose
Als der Kölner Dom im Jahr 1880 endlich fertig wurde, war der gotische Stil längst aus der Mode. Der Tatsache aber, dass die verschiedensten Bauherren sich exakt an die Pläne gehalten haben, verdankt man die Authentizität dieses imposanten Baus. Aber auch der unschätzbaren Hilfe von Katholiken, Lutheranern, Juden und Atheisten.
Mit den Römern kam der Gott der Christen
Es waren die Römer, die während ihrer Kolonisierung des Rheinlandes den christlichen Glauben mitgebracht und in den alten germanischen Territorien etabliert haben. Der heutige Kölner Dom ist sozusagen die letzte Phase einer einzigartigen Verwandlung aus mehreren Tempeln, die seit dem Jahr 313 seinem jetzigen Standort gebaut und verändert worden sind.
Der „Knochen Tourismus“ trieb den Dom in die Höhe
Das „Heillige Köln“
Aber heute stünde womöglich anstatt des gotischen Domes ein karolingischer Tempel, wenn nicht 1164 der Erzbischof Reinald von Dassel, ein in Kriegsgeschäften versierter Kirchenmann, aus den Händen des Kaisers Barbarossa die Überreste der Heiligen Drei Könige bekommen hätte. Die Reliquien hatte Barbarossa aus dem Mailänder Dom als Kriegsbeute entwendet.
„Mit der triumphalen Ankunft der drei Heiligen des Morgenlandes im 12. Jahrhundert stieg Köln endgültig auf zur ersten Liga der Pilgerorte neben Rom, Santiago de Compostela und Aachen“, sagt Schock-Werner.
Sündige, aber bezahle!
Notwendig wurde nicht nur ein größeres Gotteshaus, sondern eine würdige Urne, um die berühmtesten Reliquien der Zeit unter zu bringen. Der Auftrag ging an Nikolaus von Verdun, der eine goldene dreiteilige Urne geschaffen hat, die heute zu den Kunstschätzen des Kölner Domes zählt. „Die Urne von Verdun schmücken 74 in Gold gebadete Silberfiguren und mehr als 1000 Edelsteine, darunter Perlen und Ceylon Saphiren“, fügt die Architektin hinzu. In der Tat ist die Kölner Urne mit den berühmtesten Pilgern aller Zeiten das Goldschmiedewerk mit der reichsten Edelstein-Kollektion des Mittelalters.
Aber eine luxuriöse Urne reichte dem Kölner Klerus nicht. Im europäischen Markt der Sammlung von Gebeinen musste sich Köln der harten Konkurrenz mit den anderen touristischen Zielen der Zeit stellen. So kam es, dass 1238 der Erzbischof Konrad von Hochstaden den Grundstein des gotischen Domes legte, den wir heute kennen. Die unfassbar hohen Kosten eines solchen Baus im XIII. Jahrhundert drohten jedoch das Unternehmen scheitern zu lassen, bevor es überhaupt beginnen konnte. Aber die Vertretung Gottes auf Erden kam rechtzeitig den Kölnern zur Hilfe: Papst Innocenz IV offerierte den großzügigen Sündenerlass all denen, die zum Bau des Kölner Doms beitragen konnten.Es sollte aber der lutheranisch-preußische König Friedrich Wilhelm IV derjenige werden, der die letzte Bauphase seit 1842 betrieben hat. Eine Mammutaufgabe, die sein Bruder und Nachfolger Kaiser Wilhelm I am 14. August 1880 vollendete, ganz im Sinne der Verbrüderung von irdischer und göttlicher Macht. Der Kölner Dom sollte ein einigendes Symbol der Deutschen und ihrer Nation werden.
Der Kölner Dom ist womöglich das Gebäude mit der längsten Bauzeit der heutigen Welt: Es dauerte sage und schreibe 632 Jahre und 2 Monate von der Grundsteinlegung bis zur kaiserlichen Eröffnung. Aber der Kölner Dom ist eine höchst lebendige Immobilie, denn seit Anfang an musste sie gepflegt und restauriert werden. Im Jahr 2010, dem Jahr der VIII. Gay Games Cologne 2010, sind es 762 Jahre, in denen man in und am Kölner Dom arbeitet.
Nicht umsonst wird dieses UNESCO Wunder der Architektur täglich von 20.000 Menschen aus aller Welt besucht. Viele Besucher werden beim Betreten derart beeindruckt von der Größe und Reinheit des Kölner Doms, dass sogar Gläubige anderer Religionen - und auch nicht wenige Ungläubige - spüren, dass sie einen Moment innehalten müssen, ein paar Minuten in sich kehren, die Sorgen loslassen und dieses Meisterwerk einfach in aller Ruhe genießen.José Ospina-Valencia





