Bis in die Neunziger hinein fremdelte das offizielle Festkomittee des Kölner Karnevals noch mit den Schwulen und Lesben, doch mittlerweile vermögen die Würdenträger dem jecken Homo-Treiben so einiges abzugewinnen. Das Dreigestirn aus Prinz, Bauer und (traditionell männlicher) Jungfrau beehrte bereits viermal schwul-lesbische Sitzungen und zeigten sich jedes Mal völlig überwältigt vom tosenden Empfang.
Noch bevor mit dem Straßenkarneval das närrische Treiben traditionell seinem Höhepunkt entgegen steuert, feiern die Karnevalsgesellschaften in ihren Sitzungen kräftig vor, mit dabei die Kölner Community. Die Crew der kleinen „Röschensitzung” im Mülheimer Kulturbunker leitet die “Asia-Wochen” ein. Die legendäre „Gloria- Sitzung” macht sich dieses Jahr mit “Safari Aloha” in den Dschungel auf. Eine Debütantin des letzten Jahres, die gemütliche „Schnittchensitzung”, lädt frauenliebende Jeckinnen in den Altenberger Hof ein. Langjährige Tradition in der Community haben mittlerweile die rauschenden Kostümbälle zur närrischen Saison. „Für eine Nacht voller Seligkeit” ziehen die Rosa Funken, die vor zwölf Jahren als erste schwule Karnevals- Garde gegründet wurden, am Karnevals-Samstag wieder in die Mülheimer Stadthalle ein. Die StattGarde Colonia Ahoj, Kölns einziger gemischter Karnevalsverein mit derzeit über 130 Schwulen, Lesben und Heteros, lädt am 12. Januar zum vierten Mal zu „Jeck op Deck“ in den Alten Wartesaal ein. Ab Weiberfastnacht setzt der Fastelovend (wie sich die „fünfte Jahreszeit” auf gut Kölsch nennt) für sechs Tage das öffentliche Leben außer Kraft. Selbst ausgewiesene Karnevalsmuffel können sich in den Community-Kneipen den urkölschen Klängen nicht entziehen. So werden die klassischen Liedtexte schnell von jedem gelernt. Zum Rosenmontagszug befindet sich die Hohe Pforte fest in schwul-lesbischer Hand: Stunde um Stunde ziehen Funkenmariechen, Tambourcorps, Motivwagen und Reitergarden an den feierfreudigen Homos vorbei, die einander einen sportlichen Wettkampf um „Kamelle“ (Bonbons) und „Strüssjer“ (kleine Blumensträuße) liefern. Bei hervorragender Stimmung pulsiert der Flirtfaktor zwischen Gardisten und den jubelenden Zuschauern. Vor allem das Bermuda- Dreieck am Rudolfplatz, aber auch die Altstadt sind am Abend des Veilchendienstags noch einmal gut besucht. Jetzt heißt es, sich noch einmal ranzuhalten, denn am Aschermittwoch ist alles vorbei. Traditionell wird um Mitternacht mit dem Nubbel auch die diesjährige Session verbrannt. Der Nubbel, eine kostümierte Strohpuppe, muss für alle Sünden büßen, die sich während der tollen Tage angesammelt haben – und das können so einige sein...Die so geläuterten Sünder schicken sich indes an, in der nächsten Session zurückzukehren, denn wer einmal den schwul-lesbischen Karneval durchlebt hat, freut sich immer wieder auf „En superjeile Zick”!



