Volker Beck:
Der Politiker ist seit 1994 Mitglied des Deutschen Bundestags. Er ist derzeit Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen und menschenrechtspolitischer Sprecher der Fraktion. Er wurde am 12. Dezember 1960 in Stuttgart geboren und lebt heute in Köln. Er setzt sich seit Jahren für die Rechte von Lesben und Schwulen ein und war Sprecher des Schwulenverbands in Deutschland (SVD).
games cologne: Warum engagierst Du dich als Botschafter bei den VIII. Gay
Games Cologne 2010?
Volker Beck: Als Kölner Abgeordneter engagiere ich mich gerne für interessante und innovative Projekte in meiner Heimatstadt. Die Gay Games sind viel mehr als eine reine Sportveranstaltung zur Unterhaltung von Zuschauern. Die Gay Games vereinen sportlichen Wettbewerb mit Menschlichkeit und promoten Akzeptanz und Toleranz. Für diese Prinzipien möchte ich auch außerhalb unserer Stadt werben und auf diese ungewöhnlichen und einzigarten Spiele aufmerksam machen. Da es in Berlin nicht gerade wenige Lesben und Schwule gibt, lohnt es sich auch dort die Spiele noch bekannter zu machen. Schließlich sollen möglichst viele Menschen an den Gay Games teilnehmen – sei es als Sportler/in, Zuschauer/in oder als engagierte/r Ehrenamtler/in.
gc: Wie bist Du auf die VIII. Gay Games Cologne aufmerksam geworden?
VB: Man kann ja nicht durch Köln gehen, ohne über die Gay Games zu stolpern, und das ist ja auch gut so! Zum Botschafter bin ich geworden, als mich ein engagierter Ehrenamtler gezielt angesprochen hat.
gc: War es für Dich klar, die VIII. Gay Games zu unterstützen, als Du davon hörtest?
VB: Ja, auf alle Fälle. An den Gay Games nehmen zwar überwiegend lesbische und schwule Sportlerinnen und Sportler teil. Sie sind aber alles andere als exklusiv. Niemand wird hier ausgeschlossen. Und für die Stadt Köln bedeuten die Gay Games mal wieder als Gastgeberin für ein internationales Großsportevent auftreten zu können. Davon profitiert die Stadt genauso wie ihre sportbegeisterten – und teilweise sportverrückten – Einwohner gleichermaßen.
gc: Was begeistert Dich an den VIII. Gay Games bzw. an den Gay Games allgemein?
VB: Ich finde es zunächst einmal großartig, mit wie viel Engagement und Begeisterung die vielen Ehrenamtler diese Spieler vorbereiten, unterstützen und begleiten. So etwas verdient auch immer meinen Respekt. Die Gay Games tragen zudem zur Akzeptanz von Lesben und Schwulen in der Gesellschaft bei. Sie werden nicht nur in der Szene für Interesse und Begeisterung sorgen, sondern auch auf das große Interesse vieler sportinteressierter Menschen stoßen, die vielleicht vorher noch gar nicht wussten, dass es so ein Ereignis wie die Gay Games überhaupt gibt. Als ich erfuhr, dass die Gay Games 2010 in Köln stattfinden werden, war ich begeistert.
gc: Treibst Du selbst regelmäßig Sport und/oder hast Du andere interessante Hobbys?
VB: Ehrlich gesagt würde ich mir oft wünschen, überhaupt mehr Zeit für Hobbys zu haben. Ein bisschen Sportstudio, gelegentlich. Mein Job als Erster Parlamentarischer Geschäftsführer lässt das aber leider allzu selten zu. Ich muss aber auch zugeben, dass ich mich in meiner Freizeit mehr für Kultur als für Sport interessiere. Aber da haben die Gay Games ja auch einiges zu bieten.
gc: In vielen Sportarten ist Homosexualität immer noch ein Tabuthema.Welche Erfahrungen hast Du selbst zum Umgang mit diesem Thema gesammelt?
VB: Gerade weil viele ungeoutete Sportler in der Sportwelt für die Zuschauer und Fans nicht sichtbar sind, ist es wichtig zu beweisen, dass Schwule und Lesben genauso ein Teil der Sportwelt sind wie sie eben auch ein Teil der Gesellschaft sind. Es gibt gar keinen Grund anzunehmen, dass es zum Beispiel keine schwulen Fußballer in der 1. Bundesliga gibt. Die Gay Games machen so ein weit verbreitetes Vorurteil zunichte, dass Schwule in „harten“ Sportarten nicht bestehen können. In einigen Jahren wird dann vielleicht endlich die Zeit reif sein, dass sich ein Top-Fußballer outen kann, ohne von den Fans fallen gelassen zu werden.
Als ich als 1994 in den Bundestag eingezogen bin, war ich im Parlament zu der Zeit auch der einzig offen schwul lebende Mann; das galt damals als exotisch. Heute gibt es bereits zwei offen schwule Ministerpräsidenten und einen schwulen Außenminister. Es ist ein Erfolg der Emanzipation, wenn man als Schwuler auch nicht besser sein muss als die heterosexuellen Kollegen. Erste Anzeichen dafür gibt es ja inzwischen. Zeiten ändern sich, aber man muss dafür kämpfen, auch gerade dann, wenn es (noch) nicht einfach ist.

