Dirk Bach:
Bekannt wurde der Comedian spätestens 1992 durch die „Dirk Bach Show“. Seitdem wirkte er als Schauspieler unter anderem in den Serien „Lukas“ (1996-2001) und „Schillerstraße“ (2004-2005) mit. Er moderiert zudem „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“ (seit 2004) und die Improvisationscomedy „Frei Schnauze XXL“ (seit 2006). Bach setzt sich seit Jahren für Gleichberechtigung Schwuler und Lesben ein und unterstützt die Organisationen „Amnesty International“ und „PETA“.
games cologne: Die Gay Games finden erstmals in Deutschland statt. Ist Köln die richtige Stadt für dieses Ereignis?
Dirk Bach: Wenn wir Stefan Raab glauben können, ist Köln die perfekte Stadt für die Gay Games. Er behauptet, Köln sei die homosexuellste Stadt Deutschlands. Ich persönlich finde es natürlich prima. Ich war schon auf vielen Schwulenveranstaltungen in unserer Republik. In Köln ist alles schon oft ein bisschen größer und weiter. Deshalb ist es schön, dass Köln die erste Wahl für die Gay Games ist – und nicht etwa Berlin.
gc: Wir haben einen schwulen Außenminister, die Gay Games kommen nach Köln. Ist Deutschland ein Paradies für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender?
DB: Wir sind in Deutschland an einem sehr gemütlichen Punkt angekommen, wo wir denken: Wir haben so viele Rechte, es ist alles in Ordnung, wir brauchen ja nichts mehr. Aber auch wir haben noch nicht alles erreicht und müssen nach Veränderungen streben. Viele Lesben und Schwule müssen sich immer noch für ihre Lebenspartner verantworten. Junge Leute haben es immer noch schwer, und es leben ja auch nicht alle in Köln. In der Pubertät fühlen sich Jugendliche immer sehr alleine, als Homosexueller ist es noch extremer. Wir haben in Deutschland die Möglichkeit zur gleichgeschlechtlichen Partnerschaft, aber nicht die gleichen Rechte wie heterosexuelle Paare. Das aber muss unser Ziel sein. In anderen Ländern ist der Kampfgeist noch ein bisschen größer.
gc: In der Fußball-Bundesliga gibt es noch keinen Spieler, der sich als schwul geoutet hat. Kannst Du das verstehen?
DB: Ich kann das nachvollziehen. Es gibt im Fußball viele schwulenfreundliche Menschen, die ganz klar sagen, dass das einfach noch nicht geht. Und das ist - wie ich finde - ein großes Signal. Da muss was passieren. Ich hatte Freunde, die im Hochleistungssport waren, für sie war es die Hölle, deshalb haben sie irgendwann aufgehört. Ich hoffe, dass sich heute einiges verbessert hat. Aber oft gibt es glaube ich immer noch dieses Klischee, dass nur „ganze Männer“ im Sport etwas zu suchen haben. Da muss glaube ich schon noch was passieren.
gc: Musstest Du als Schwuler viele Hindernisse aus dem Weg räumen, um so zu leben, wie du es jetzt tust?
DB: Ich komme aus einer Generation, in der Homosexualität eine Selbstverständlichkeit war. Ich habe mich da nicht weiter drum gekümmert, sondern einfach getan, was ich getan habe. Es gab in meinem Leben keine ernsthaften Hindernisse, auf die ich wegen meiner Homosexualität gestoßen bin.
gc: Können Veranstaltungen wie die Gay Games etwas an Einstellungen und Wahrnehmungsweisen ändern?
DB: Absolut. Alles, was Präsenz erzeugt und neugierig macht, ist gut. Es ist schön, dass jetzt die Gay Games für Aufmerksamkeit sorgen und nicht immer unser bunter Umzug (Anm. d. Red.: gemeint ist der Christopher-Street-Day) . Ich freue mich riesig auf die Gay Games, auf die vielen Menschen. Das wird gigantisch.

