„The Sound of Gay Games” startet sensationell
Die VIII. Gay Games Cologne 2010 bieten neben Wettkämpfen in über 30 Sportarten auch eine Fülle von Kulturevents. Das Chor- und Musikfestival „The Sound of Gay Games“ hat am Sonntag, 1. August, mit dem ersten von drei Chorkonzerten begonnen. Im ausverkauften COMEDIA Theater erlebten die Zuhörer/innen einen fulminanten Abend mit schwul-lesbischen Chören aus Deutschland, Kroatien und Neuseeland.
Das erste „Ah“ des Abends galt den bezaubernden Moderatorinnen, die charmant durch den weiteren Chorabend leiten sollten. Sie wiesen auf die gesellschaftspolitische Bedeutung des Chorgesangs von Schwulen und Lesben hin, der insbesondere in solchen Ländern Türen öffnen und Berührungsängste abbauen könne, in denen Homosexuelle immer noch mit Restriktionen zu kämpfen haben.
Völlig ohne Berührungsängste traten zu Beginn „Die Fetten Koketten Soubretten“ aus Köln auf die Bühne. Fünf rothaarige Dragqueen-Sisters und ihre vier männlich-markanten Begleiter sorgten mit witzigen Texten und ihrer extraordinären Performance für Stimmung. Die „Soubretten“ begeistern seit über 12 Jahren ihr Publikum, und auch an diesem Abend verzauberten sie den Saal. Bezeichnend war der freche Beitrag „Augenweide“ über einen Mann, dessen Rückansicht bezaubert, der aber von vorn enttäuscht. Das Fazit in diesem Fall: „Echte Schönheit kommt von hinten.“
Der nächste Chor war eigens für die Gay Games aus Neuseeland angereist. Den zehn Mitgliedern des ansonsten 40 Mann und Frau starken Chores waren die 200.000 Kilometer Distanz nicht anzumerken. Die „GALS“ – Gay and Lesbian Singer aus Auckland – gründeten sich 1992 als erster schwul-lesbischer Chor Neuseelands und waren schon bei den Gay Games in Amsterdam, Sydney und Chicago zu Gast. Mit tosendem Applaus wurden Maori-Gesänge und Popsongs wie „Can’t Help Falling In Love“ aufgenommen. Letzterer in einem entzückenden Arrangement und mit gefühlvoller Pianobegleitung.
Nach der Pause betraten neun junge Frauen aus Kroatien barfuß die Bühne. In der homophoben Gesellschaft ihrer Heimat will der Chor „Le Zbor“ aus Zagreb lesbisch-feministisches Leben sichtbar machen. Gekleidet in bunte Gewänder einer kroatischen Designerin sangen sie „Das Model“ von Kraftwerk – stimmlich brillant. Die Sängerinnen gaben traditionelle slawische Lieder zum Besten. Das russische Lied „Katjsha“ motivierte das chorbegeisterte Publikum zum Mitsingen und Klatschen. Ebenso belustigte das tragikomische Lied „Moi Decko je Gej“ („My boyfriend is gay“) über ein Mädchen, dessen Freund mit dem gleichen Geschlecht liebäugelt. Mit Standing Ovations forderten die Zuhörer/innen eine Zugabe. Mit Inbrunst sangen die Frauen mit Unterstützung des Publikums und mit deutlich gesellschaftspolitischem Zeigefinger die „Internationale“: Völker hört die Signale!
Als vierter und letzter Chor des Abends zeigten die Kölner „Zauberflöten“, ein Chor schwuler Männer, einen Ausschnitt aus ihrer aktuellen Revue „Boeuf Katastroff“, in dem kulinarisch-musikalische Leckerbissen und der ganz normale Wahnsinn zwischen Topf und Pfanne karikiert werden. Bekannte Melodien wurden mit witzigen Texten und tollen Arrangement versehen. Von Opern-Arien über den James-Bond-Titel „You Only Live Twice“ bis zum spanischen Sommerhit „Macarena“ – nichts blieb vor dem Einfallsreichtum der Texter und Choreografen und den ausgewogen arrangierten Stimmen der Männer in ihren schwarzen Paillettenhosen mit silberglänzenden Hosenträgern verschont. Prädikat: Sehr unterhaltsam.
Den Abschluss bildeten die vereinten Stimmen aller beteiligten Chöre mit Unterstützung von zusätzlichen Sängerinnen der „Stimmfusion“, dem Zusammenschluss der Kölner schwul-lesbischen Chöre, mit dem Song „The Voice Inside“. Der „Stimmfusion“ ist auch die Organisation des Gay Games Chorfestivals zu verdanken, das mit diesem Konzert seinen ersten Höhepunkt feierte. Das Publikum jedenfalls, darunter auch die Co-Präsidentin der FGG Federation of Gay Games, Emy Ritt, war restlos begeistert.
Weitere Konzerte im Rahmen von „The Sound of Gay Games“:
• 02. August (Montag)
Chorkonzert II
20 Uhr, COMEDIA Theater (Vondelstr. 4-8, 50677 Köln)
• 03. August (Dienstag)
Straßensingen II
16-18 Uhr in der Kölner Innenstadt
18.30 Uhr Gay Games Village, Rudolfplatz
• 05. August (Donnerstag)
Gala Konzert
Die Stimmen der „Stimmfusion“ und der Festival Chor der Kölner Gay Games zusammen mit dem Kammerorchester des Rainbow Symphony Cologne und dem „Team Band“
20 Uhr, Hochschule für Musik und Tanz Köln (Unter Krahnenbäumen 87, 50668 Köln)
• 06. August (Freitag)
Chorkonzert III
20 Uhr, COMEDIA Theater (Vondelstr. 4-8, 50677 Köln)
