Karen Liao ist eine der wenigen TeilnehmerInnen aus China bei den VIII. Gay Games Cologne 2010.
Sie lebt in Peking. Dank des Outreach Programms für die VIII. Gay Games konnte sie an dem 5000 m Lauf teilnehmen. José Ospina-Valencia interviewte sie, während sie ihre Freundin bei dem Softball Finale anfeuerte.
KL
„Hallo, mein Name ist Karen Liao und ich bin eine Teilnehmerin bei den Gay Games. Gestern bin ich das 5000 m Rennen in persönlicher Bestzeit gelaufen. Ich war eigentlich schon immer ein schwacher Läufer, aber ich denke bei den Gay Games geht es um Spaß und darum, dabei zu sein. Ich bin glücklich und möchte mich bedanken.“
JO
„Wie haben Sie von den Gay Games gehört?“
KL
„Durch meine Freundin, sie ist Taiwanesin und spielt Softball, sie ist mit ihrem Team hier. Sie sind gerade im Finale. Ich schaue zu, wie sie mit ihrem Team gegen ein internationales Team mit Spielerinnen aus verschiedenen Ländern und Kontinenten spielt. Sie war für die Gay Games gemeldet und hat mir davon erzählt. Erst wollte ich nicht kommen, weil ich als Studentin nicht so viel Geld habe. Sie hat mir dann erzählt, dass ich ein Stipendium beantragen könnte, was ich tat und bekam eine Zusage.“
JO
„Herzlichen Glückwunsch. Woraus bestand das Stipendium?“
KL
„Durch das Stipendium wurden meine Reisekosten bezahlt, sie (das Outreach Programm) kauften das Ticket für mich so dass ich hier in Köln dabei sein kann.“
JO
„Hatten Sie irgendwelche Probleme in China, zu den Gay Games zu kommen, wussten die, warum Sie nach Köln kommen?“
KL
„Persönlich habe ich keine Probleme, da ich mich meinen Eltern und Kollegen auf dem Campus gegenüber geoutet habe, sie wissen, dass ich lesbisch bin. Aber ich glaube, dass die Mehrheit der LGBT Community sehr wenige Ressourcen hat. Es gelangen nur sehr wenige Informationen über die Gay Games nach China. Das ist der erste Grund, warum so wenige Teilnehmer aus China zu den Gay Games kommen. Der zweite Grund ist, dass viele finanzielle Probleme haben, sie haben nicht genug Geld um ein internationales Flugticket zu kaufen. Und ich denke, sich in China zu outen ist immer noch sehr schwierig, speziell den Eltern gegenüber, da die Familie noch immer einen großen Wert hat. Du musst heiraten und Kinder bekommen, es ist also schwierig, sich in China zu outen. Sich bei sportlichen Wettbewerben zu outen, ist noch schwieriger. Normalerweise riskierst du deine Karriere im professionellen Sport, wenn du deinen Teamkollegen erzählst, dass du lesbisch oder schwul bist. Daher ist es eine gute Idee eine Veranstaltung zu haben, die für schwule und lesbische Sportler gedacht ist.“
JO
„Sie sind jetzt seit einer Woche hier in Köln und sind gestern die 5000 m gerannt. Heute schauen Sie ihrer Freundin dabei zu, wie sie gegen ein internationales Team spielt. Welche Erfahrungen haben Sie bisher gemacht?“
KL
„Ich war sehr glücklich hier in Köln, die Leute hier sind sehr freundlich und ich kann hier sehr stolz und „out“ sein. Wir haben immer noch Angst, uns gegenüber Kollegen, den Eltern oder Familienmitgliedern zu „outen“. Aber hier ist es eine richtige „gay“ Stadt, überall wehen die Regenbogenflaggen, worüber ich mich sehr freue. Hier in Köln sehe ich mehr schwule und lesbische Menschen als heterosexuelle, so fühle ich mich mal der Mehrheit zugehörig und nicht nur der Minderheit. Das ist ein sehr gutes Gefühl.“
„Welche Botschaft nehmen Sie, Karen Liao, nach Hause in Ihr Land und zu Ihren Leuten?“
KL
„Nummer Eins: Bleib gesund!“
„Nummer Zwei: Sei stolz auf dich!“
„Und Nummer Drei: Oute dich der Welt!“

